Samstag, 19. September 2009

National Geographic-Angkor Wat

Hidden deep in the impenetrable jungle of Cambodia, the mighty temple of Angkor Wat is a humbling representation of the Hindu universe. A usurper king who seizes the throne by murdering his great uncle, King Suryavarman II seeks to justify his absolute power over the enormous Khmer Empire with a towering monument to Hindu god Vishnu. Angkor Wat will also serve as the new king's personal mausoleum, and be his personal heaven for the afterlife. The largest of the five huge towers soars 65m into the sky, surrounded by a network of concentric courtyards, causeways and outbuildings, all guarded by an enormous 200 m wide moat. Experts? estimate workers must have cut and transport at least 300 blo ...cks of sandstone weighing from three to fifteen tonnes every day to ensure the temple is completed in Suryavarman's lifetime. Completed in a staggering thirty-five years, Angkor Wat, remains one of the largest and awe-inspiring religious monuments ever built.

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Montag, 22. Juni 2009

Chef-Folterer der Roten Khmer

"Ja, sie zerschmetterten Babys an Bäumen"

Die Gräueltaten der Roten Khmer während ihrer Schreckensherrschaft in Kambodscha sind kaum vorstellbar. Nun hat Chef-Folterer Kaing Guek Eav alias Duch vor Gericht zugegeben, dass Wärter auf seinen Befehl hin, Babys an Bäume schlugen, um sie zu töten.

Der Chef-Folterer der Roten Khmer hat vor Gericht in Kambodscha eingeräumt, dass Untergebene auf seine Anordnung hin Babys gegen Bäume geschlagen und so getötet haben. "Diese fürchterlichen Bilder, wie sie gegen die Bäume geschmettert wurden - ja, das haben meine Untergebenen gemacht", sagte der als Duch bekannte Kaing Guek Eav am Montag vor dem Sondertribunal in der Hauptstadt Phnom Penh. Die Wärter eines Foltergefängnisses hätten die Kleinen an den Füßen gepackt und gegen Bäume geschleudert. Ein Überlebender hatte eine solche Szene später in Bildern festgehalten, die heute im Toul-Sleng-Museum in der kambodschanischen Hauptstadt hängen.

Die Bilder von den Gräueltaten zu Zeiten der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 bezeichnete der heute 66-jährige Duch als "abscheulich". Die Taten laste er nicht seinen damaligen Untergebenen an, da sie lediglich seine Anordnungen ausgeführt hätten. Er sei für das Töten der Babys "strafrechtlich verantwortlich", sagte Duch. "Mein Vorgesetzter (Verteidigungsminister) Son Son sagte mir, es bringe nichts, sie zu behalten, weil sie eines Tages Rache nehmen könnten."

Duch äußerte sich zu Fragen der Anklage zu der berüchtigten Haftanstalt Tuol Sleng (S-21), die er damals leitete. Dort wurden zwischen 1975 und 1979 mehr als 15.000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert oder hingerichtet. Die Babys waren in dem Foltergefängnis gemeinsam mit ihren Eltern untergebracht. Das Gericht wirft Duch Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord vor.

Ende März hatte Duch eingeräumt, für die Tötung Tausender Häftlinge verantwortlich gewesen zu sein und zwei Menschen gefoltert zu haben. Er selbst habe jedoch niemanden umgebracht und habe nicht zu den Hauptverantwortlichen des Regimes gehört. Bei einer Verurteilung droht Duch lebenslange Haft. Außer Duch sind vier weitere frühere Rote Khmer-Führungsfiguren angeklagt, die anders als Duch keinerlei Schuld eingestehen. Während der Schreckensherrschaft des 1998 gestorbenen Khmer-Führers Pol Pot kamen in Kambodscha etwa zwei Millionen Menschen ums Leben.

Bilder:



AFP/DPA

Donnerstag, 28. Mai 2009

Sehr viel Geld und gute Worte .

Mit Zusagen in Höhe von insgesamt 951,5 Millionen US-Dollar für das Jahr 2009 ging Anfang Dezember das so genannte „Cambodia Development Cooperation Forum" (CDCF) in Phnom Penh zu Ende. Bei dem Treffen handelt es sich um eine Koordinierungsversammlung zwischen rund 15 Geberländern, fünf multilateralen Einrichtungen und Vertretern der kambodschanischen Regierung.
Emblem des "Council for the Development of Cambodia" (CDC).


Im vergangenen Jahr lag die Zusage der internationalen Gebergemeinschaft noch bei 689 Millionen US-Dollar. Die hohe Zahl kommt zustande, weil China sich mit 256 Millionen US-Dollar (in Krediten) in den Kreis der Geber eingereiht hat und in diesem Jahr auch zum ersten Mal auf dem CDCF-Treffen vertreten war. China liegt mit dieser Zusage an der Spitze aller Geberländer. Weitere Länder sind: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Neuseeland, Schweden, Schweiz, Spanien, Südkorea und die USA. Multilaterale Organisationen sind die Asian Development Bank, die Europäische Kommission, der Internationale Währungsfonds, die unterschiedlichen Organisationen der Vereinten Nationen und die Weltbank.

Bei den Zusagen liegen hinter China die Länder der Europäischen Union zusammen mit der Kommission an zweiter Stelle: Insgesamt 213,7 Millionen US-Dollar sind für Kambodscha vorgesehen. Unter den Ländern der Europäischen Union ist Deutschland hinter Großbritannien (44 Mio.) mit 38,4 Millionen US-Dollar zweitgrößter Geber. An dritter Stelle liegt Frankreich mit 26 Millionen. Traditionell großer Einzelgeber aus dem asiatischen Raum ist erneut Japan mit 112 Millionen US-Dollar. Mit keiner konkreten Zahl wartete die amerikanische Delegation auf. Wegen des anstehenden Regierungswechsels in Washington sei man erst in ein paar Wochen dazu in der Lage, Zahlen zu präsentieren.


Wirtschaftliche Erfolge

In seiner mehr als zweistündigen Rede zum Auftakt des Treffens unterstrich Ministerpräsident Hun Sen die wirtschaftlichen Erfolge seines Landes. Zweistellige Wachstumsraten in den letzten vier Jahren, höhere Steuereinnahmen und ausländische Investitionen seien Schritte in die richtige Richtung. Und er fügte hinzu: „Gute Regierungsführung ist ein Grundpfeiler für nachhaltige Entwicklung und soziale Gerechtigkeit."

Die internationalen Teilnehmer am CDCF-Treffen würdigten die beeindruckenden wirtschaftlichen Fortschritte Kambodschas und zeigten sich auch mit erzielten Erfolgen in Bildung und Gesundheit zufrieden. Der neue, chinesischstämmige Weltbankmanager für Kambodscha, Qimiao Fan, stellte jedoch mangelndes Reformtempo im Rechtswesen fest und erinnerte an einen Dauerbrenner in kambodschanisch-internationalen Verhandlungen: „Das Antikorruptionsgesetz ist immer noch nicht verabschiedet. Dieses Gesetz wäre ein wichtiges Signal für potentielle Investoren und Entwicklungspartner." Die Inflation in den Griff zu bekommen, weiteres wirtschaftliches Wachstum sicher zu stellen, höhere Produktivität der Landwirtschaft und soziale Sicherheit - dies sind für die Weltbank die großen Herausforderungen, vor denen das südostasiatische Königreich steht.

Wichtiges Thema des CDCF-Treffens war das Fortschreiben so genannter „Joint Monitoring Indicators" (JMI). Dies ist eine Liste von Indikatoren, abgestimmt zwischen Geberstaaten und kambodschanischer Regierung, die angeben, welche Maßnahmen, bis wann, unter welcher Verantwortung um zu setzen sind. Insgesamt 20 JMIs wurden verabschiedet - alles Indikatoren zur Umsetzung des Nationalen Entwicklungsplans. Justiz, Governance, Gesundheit, Bildung, Land und Infrastruktur sind dabei einige der Themen. Teilnehmer der Konferenz zeigten sich trotz genereller Zustimmung mit einer Reihe der Indikatoren unzufrieden, da diese nicht klar genug seien und keine Verantwortlichkeiten festgehalten würden.

Ein von der kambodschanischen Seite vorgelegter Bericht zur Effektivität der Entwicklungszusammenarbeit stellt keine guten Noten aus. Zwar habe es Fortschritte in Richtung der Paris Deklaration gegeben, die Hilfe sei jedoch nach wie vor viel zu weit gestreut und nicht wirklich effektiv. Verstärkte Koordinierung sei dringend vonnöten. Die kambodschanische Regierung werde ihrer Führungsrolle nachkommen und noch gezielter Entwicklung per Sektoren ins Auge fassen, um zu Arbeitsteilung auf internationaler Seite bzw. zu konzentrierter und zielgerichteter Entwicklung zu gelangen.

Kritisch nahmen die Geberstaaten die Bereiche Gesetzgebung und Rechtsprechung sowie Korruptionsbekämpfung unter die Lupe. Auch Landfragen (Landkonzessionen, -besitz, -recht, -verteilung) seien ein Thema mit vielen Problemen. Die deutsche Seite konzentrierte sich dieses Mal mit ihrer Stellungnahme auf das Thema „Arbeitsteilung" - ein in Kambodscha bei 35 Entwicklungspartnern mit rund 750 Projekten sehr drängendes Problem. Europa sei dabei, seinen Beitrag zu konzentrieren. Das Ziel: Pro Sektor drei europäische Entwicklungspartner mit bis zu drei Schwerpunktthemen.

Das nächste CDCF-Treffen ist für Mai 2010 in Phnom Penh geplant.

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War 2 monate in kamodscha!!

Angkor Wat - Das versunkene Herz Kambodschas

Samstag, 27.06.09, 22:05 Uhr

Mitten im Dschungel von Kambodscha liegt Angkor Wat, eine gewaltige Tempelanlage der Hindus. Das Bauwerk wurde von einem jungen Mann in Auftrag gegeben, der mittels Mord auf den Thron kam. Suryavarman II ließ sich innerhalb von nur 35 Jahren den Himmel auf Erden errichten - und zugleich seine eigene letzte Ruhestätte. Die tausende Tonnen schwere, steinerne Tempelanlage ruht auf Sumpfgebiet, das von einem unterirdischen Wasserreservoir gespeist wird. Die N24-Dokumentation beschreibt die ungeheuren Mühen, unter denen dieses Bauwerk und der riesige Graben um die Tempelanlage herum entstanden und zeigt, wie moderne Restauratoren um den Erhalt dieses architektonischen Meisterwerkes kämpfen.

Freitag, 27. März 2009

Urteil gegen Sextouristen rechtskräftig

Kiel - Das Urteil gegen einen pädophilen Sextouristen aus Neumünster, der in Kambodscha mehrere Kinder sexuell missbraucht hatte, ist rechtskräftig. Der HIV-infizierte einschlägig vorbestrafte Mann war im vergangenen Juli vom Kieler Landgericht zu sechseinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Wie Gerichtssprecherin Susanne Bracker am Freitag mitteilte, verwarf der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs die Revision einstimmig als unbegründet. Bei Prüfung des Urteils seien keine Rechtsfehler nachgewiesen worden. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt und die Verurteilung angefochten.

Traditionelles Ballett in Kambodscha blüht wieder auf

In den 70er Jahren wurden professionelle Tänzer in Kambodscha mit Mord bedroht, doch jetzt ist die Kunstsparte wieder anerkannt. Besonders traditionelle Tanzstile blühten derzeit wieder auf, sagte die Choreografin Sophiline Cheam Shapiro der deutschen Presseagentur. Der kambodschanische Tanz sei wie eine Mutter, die viele Kinder habe, sagte die Leiterin des Khmer-Arts-Instituts in Phnom Penh. Unter dem Terror-Regime der Roten Khmer waren die überlieferten Tempel-Tänze verboten.

Mittwoch, 18. März 2009

Fräulein Pol Pots Flucht vor der Vergangenheit

Der Vater ein Massenmörder wie Hitler und Stalin, sein Kind eine scheue Schönheit: Pol Pots Tochter studiert heute unter einem Decknamen in Phnom Penh. Von den Killing Fields der Roten Khmer, von den Verbrechen ihres Vaters will sie nichts wissen - sie genießt lieber die Party-Szene.

Phnom Penh - Pol Pot, der Kambodschas Kultur mit Stumpf und Stiel ausrotten wollte, hat sie ausgerechnet nach einer berühmten kambodschanischen Prinzessin benannt: Sitha. Der Vater, der den Tod von fast zwei Millionen seiner Landsleute kühl als "notwendiges Opfer" für "die kommunistische Sache" betrachtete, hat sie häufig zärtlich gestreichelt. Der Vater, der durch den Aufstand der eigenen Leute und mysteriöse Krankheiten geschwächt war, hat an ihre Zukunft gedacht. Wenige Monate vor seinem Tod holte er seinen Sekretär in sein Dschungelquartier von Anlong Veng und nahm ihm das Versprechen ab, sich um seine Frau und das Kind zu kümmern.


Pol Pots Tochter Sitha und ihre Mutter (Aufnahme von 1998): Liebenswertes Mädchen

Was Pol Pot dem Vertrauten als Gegenleistung bot, blieb ungeklärt. Den Zugriff auf angeblich aufgehäufte Goldbarren, den geheimnisvollen Schatz der Khmer Rouge? Ein für andere Politiker brisantes Vermächtnis? Unbestritten ist nur: "Bruder Nr. 1" diktierte seinem Sekretär Tep Khunnal bis zuletzt seine Memoiren.

"Unsere Revolution war richtig"

Pol Pot, neben Hitler und Stalin der schlimmste Massenmörder des vergangenen Jahrhunderts, ist am 15. April 1998 gestorben und bald darauf eingeäschert worden. Seine Genossen verhöhnten den Mann, den sie ein Leben lang gefürchtet hatten, indem sie seinen Lehnstuhl und alte Reifen ins Feuer warfen und ihm nachriefen, nun sei er weniger wert "als Kuhscheiße". Sekretär Tep Khunnal aber hielt Wort. Er brachte Sitha, damals 12, und Pol Pots Frau Meas, damals 36, in ein geheimes Versteck auf die andere Seite der Grenze, nach Thailand. Er heiratete die Witwe und zog das Mädchen wie sein eigenes Kind auf.

Und dann handelte Tep Khunnal mit Premier Hun Sen, dem früheren Roten Khmer, der das Land an der Seite der Vietnamesen befreit hatte, einen erstaunlichen Deal aus: Er durfte sich mit seiner neuen Familie in Kambodscha niederlassen und in dem abgelegenen Distrikt Malai für die Regierungspartei als Gouverneur kandidieren. Seit vielen Jahren nun schon lenkt der Pol-Pot-Sekretär im äußersten Westen des Landes die politischen Geschicke. Er hat - von welchem Geld auch immer - eine Reis-Fabrik aufgebaut und gilt seinen 40.000 Untertanen als fähiger Verwalter: Malai, anders als die meisten Regierungen des Landes, frei von Bars und Bordellen, ist mit seinen strengen Sitten und seinem genossenschaftlichen Zusammenhalt eine Art kambodschanisches Amish-Land.

Besuch empfängt der Distriktvorsteher höchst selten. Als er im November den SPIEGEL in seinem ordentlich aufgeräumten, penibel gesäuberten Büro begrüßt, äußert er sich erstmals zum anstehenden Völkerrechtstribunal gegen die Ex-ZK-Mitglieder der Roten Khmer, darunter den "Bruder Nummer zwei" Nuon Chea, und gegen "Duch", den Chef-Folterer. Tep Khunnal, 56, sagt, er könne das Gerichtsverfahren nicht verstehen. "Unsere Revolution war richtig." Es seien "bedauerliche Dinge vorgekommen", aber das seien doch eher Randerscheinungen gewesen.

Er wollte nur eines sein: der perfekte Sekretär

"Pol Pot war ein Idealist. Er war ein Führer. Und mit den meisten seiner Entscheidungen lag er richtig." Tep Khunnal würde selbstverständlich vor dem Tribunal aussagen, sollte man ihn vorladen. Das sei aber nicht geschehen. Er behauptet aber, über Mordbefehle der Khmer-Rouge-Spitze nichts zu wissen - erstaunlich, da er Mitglied der KP-Planungskommission war. Er will auch keine versteckten Gelder der Roten Khmer erhalten haben, und das von Pol Pot diktierte Vermächtnis, in zwei Dutzend Notizbüchern festgehalten, sei verbrannt. Keine geheimen Informationen, irgendwo in einem Safe gelagert, mit denen er Premier Hun Sen erpressen könnte? Herr Tep schüttelt sich empört. "Ein Gerücht, das ich auch gehört habe - es entbehrt jeder Grundlage."

Tep Khunnal, in Frankreich studiert, von der Revolution begeistert und lange als Uno-Vizebotschafter seines Landes in New York tätig, wollte immer nur eines sein: der perfekte Sekretär. Und wie ist er als Erzieher? Was hat Tep Khunnal, der mit Meas noch ein eigenes Kind bekommen hat, seiner Stieftochter Sitha über Pol Pot erzählt? "Die Wahrheit", sagt er. "Dass er sich bis zuletzt um sie gesorgt hat, ein fürsorglicher Mensch, jedenfalls ihr gegenüber. Dass sie nicht alles glauben soll, was ihr andere möglicherweise über ihn erzählen."

Was Sitha wann vom Genozid der Roten Khmer am eigenen Volk erfahren hat - und über den Hauptverantwortlichen, ihren Vater - ist unklar. In ihrem Gymnasium in der Provinzstadt Sisophon wird Gegenwartsgeschichte nicht gelehrt, die Khmer-Rouge-Zeit bleibt, wie fast überall in Kambodscha, ausgeklammert.

Die schöne Tochter des Kommunistenführers studiert jetzt Betriebswirtschaft

Zwei Journalisten von der "Cambodia Daily" erzählt die damals Achtzehnjährige im Jahr 2004 beim bisher einzigen Interview ihres Lebens, sie bete viel für Pol Pot und bringe in der Pagode den buddhistischen Mönchen regelmäßig Opfer. "Ich würde ihn gern in einem nächsten Leben treffen und dann mehr Zeit mit ihm verbringen", sagt Sitha, höflich, wie alle ihre Mitschülerinnen in "bourgeoise" Schuluniform mit langem, Rock und frisch gestärkter weißer Bluse gekleidet.

Der Stiefvater will, dass sie Englisch lernt und auch über moderne Wirtschaft Bescheid weiß - er meldet sie trotz ihrer durchschnittlichen Zeugnisse an einer Universität in Phnom Penh an. Wo, will er nicht sagen, "die Kleine" solle ihre Ruhe haben. Nur so viel: Sie studiere nicht unter ihrem Namen. Schon 2006 hat die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit", ausgestattet mit besonders guten Kambodscha-Kontakten, gemeldet, es könne sich um die Pannisastra University of Cambodia halten.

Fräulein Pol Pot alias Sitha alias Sar Patchata alias ihres jetzigen Decknamens hat sich tatsächlich an der PUC eingeschrieben, an Phnom Penhs Eliteuniversität und politischer Kaderschmiede, gefördert von der amerikanischen Regierung. Sie studiert Englisch und Betriebswirtschaft - eine erstaunliche Kombination, bedenkt man, dass es unter den Roten Khmer einem Todesurteil gleichkam, eine Fremdsprache zu beherrschen; zieht man in Betracht, dass ihr Vater alle Banken und Wirtschaftsinstitute schloss, das Geld ganz abgeschafft hatte.

Sie will nichts wissen von den "angeblichen Verbrechen"

Am Anfang ihrer Phnom-Penh-Zeit ist sie nach Aussagen ihres damaligen Freundes ein "besonders liebenswertes" Mädchen gewesen, "die bei weitem hübscheste unter den vier Mädchen aus Malai, mit denen sie zusammenwohnte". Der junge Mann will mit ihr sein Leben teilen. Er berichtet ihr auch von den zahlreichen Familienmitgliedern, die er durch Pol Pots Schreckensherrschaft verloren hat. Als sie ihm erzählt, sie sei die Tochter des Khmer-Rouge-Führers, schweigt er zunächst, sagt dann aber, er glaube nicht an die "Vererbbarkeit von Genen und solchen Schwachsinn", er liebe sie. Er will ihr aber neben seinen Lieblingsplätzen am Flussufer auch die Gedenkstätten an die Horrorzeit zeigen, das Foltergefängnis Tuol Sleng, die Killing Fields, draußen vor der Stadt. Ohne mich, sagt Fräulein Pol Pot. Sie will nichts wissen von den "angeblichen Verbrechen ihres Vaters" und diesem "unsinnigen Tribunal gegen seine Kollegen".

Die beiden leben sich auseinander. Sitha, die einst so Schüchterne, habe sich einen neuen Freundeskreis angelacht, erzählt der junge Mann, "die Reichen und die Mächtigen". Er sieht sie im Sportwagen eines stadtbekannten Playboys, dann in Begleitung eines Jungpolitikers, der sie in die teuren Restaurants führt, dann bei der Einweihung eines High-Society-Discoclubs. Sie wolle in Ruhe gelassen werden, sagt sie bei einem Fest auf eine Anfrage des SPIEGEL nach einem Interview. Fräulein Pol Pot, 22, trägt ein schulterfreies Glitzerkleid, das kurz geschnittene Haar ist leicht aufgehellt. Sie ist eine Schönheit.

Wollte sie wirklich etwas über ihren Vater erfahren, könnte sie die Geschichte über seinen besten Freund in den Archiven des Khmer-Rouge-Dokumentationszentrums nachlesen. Siet Chhe hieß der, hat den "Bruder Nummer eins" im Dschungel während seiner Malaria-Erkrankung auf dem Rücken getragen, ihn gesund gepflegt und ihm auch sonst immer loyal gedient, zuletzt als Regionalsekretär Ost. Wie so viele Kader fiel er aus unerklärlichen Gründen in Ungnade, wurde ins Gefängnis Tuol Sleng eingeliefert und gefoltert. Verzweifelt schrieb er an Pol Pot. "Bitte rette deinen jüngeren Bruder! Ich werde der Partei gegenüber immer loyal sein." Pol Pot würdigte ihn keiner Antwort - und machte so dem Lagerchef klar, dass er keinerlei Rücksichten nehmen musste. Folterknecht Duch ließ Siet Chhe immer schlimmer foltern, aber er wollte ihn darüber hinaus auch noch demütigen. Der Delinquent sollte zugeben, seine eigene Tochter sexuell missbraucht zu haben.

Alle gestanden alles in Tuol Sleng, die folgenden Zeilen sind das einzige Dokument des Widerstehens. "Verehrte Organisation", schrieb Pol Pots bester Freund. "Dies ist der Report über meine Tochter. Ich gestehe, ich habe sie besonders ins Herz geschlossen. Ich habe sie in den Arm genommen, mit der Liebe und Fürsorglichkeit eines Vaters. Die Anschuldigungen, ich hätte mich an ihr vergriffen, sind lächerlich. Ich wünsche ihr, dass sie einen aufrechten und anständigen Revolutionär trifft, mit dem sie ein politisch und moralisch sauberes Leben führen kann."

Duch und Pol Pots andere Schergen quälten den Mann noch fünf Monate. Ein Inzest-Geständnis konnten sie ihm nicht abzwingen. Dann brachten sie Siet Chhe auf die Killing Fields, töteten ihn mit einem Schlag gegen den Nacken und stießen ihn in die Grube.